Sind Bonuszahlungen noch zeitgemäß, und waren sie das jemals? Um das zu klären beleuchten wir die Zielsetzung von Bonuszahlungen, deren Ursprung und mögliche Auswirkungen.

Was sind Bonuszahlungen?

Bonuszahlungen sind Zulagen, die zusätzlich zu einem Grundgehalt gezahlt werden, um die Leistungsbereitschaft bestimmter Personengruppen zu erhöhen. Sehr häufig findet man Boni-Zahlungen bei Mitarbeitern im Vertrieb, im Einkauf und im Management.

Welche Leistungen sollen erhöht werden?

In Unternehmen werden Mitarbeiter häufig dafür bonifiziert, dass Sie mehr Umsatz, einen höheren Absatz, geringere Kosten oder einen höheren Bilanzgewinn erwirtschaften. Aber hilft das den Unternehmen wirklich?

Immer dann, wenn eine nachhaltige, zukunftsorientierte Kundenausrichtung das Ziel eines Unternehmens ist, sind Bonuszahlungen für einzelnen Personen oder Personengruppen ein fragwürdiges Mittel dieses Ziel zu erreichen.

Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen das.

Ursprung von Bonuszahlungen

Laut Wikipedia wurden Bonuszahlungen in den 1970er Jahren im Bankensektor eingeführt. Interessanterweise wurde die letzte große Wirtschaftskrise, ab dem Jahr 2007, durch eine Immobilen- und Finanzkrise ausgelöst. Wer erinnert sich nicht daran, welche unglaublichen Immobilienverkäufe in Amerika an der Tagesordnung waren. Mit dem Hinweis auf die „automatischen“ Wertsteigerungen wurden selbst Arbeitslosen mehrere Immobilien verkauft. Und alle machten mit, leider nicht nur mit lauteren Mitteln! Danach ging der Irrsinn aber weiter. Die faulen Kredite, die sich aus diesen Deals ergeben haben, wurden zu immer neuen Finanz-Produkten zusammengefasst, um sie dann unbedarften Kunden, weltweit, zu verkaufen. In dieser Zeit dürften sehr viele Vertriebsteams durch Bonuszahlungen sehr reich geworden sein. Allerdings haben auch viele nach dieser Krise ihren Job verloren.

Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, solange es keinen nachhaltigen Zweck für ein Unternehmen oder sogar ganze Branchen gibt, sondern nur die reine Gewinnmaximierung auf Kosten anderer, können Bonuszahlungen eine Krise verschärfen und beschleunigen. Der Wahnsinn kennt dann keine Grenzen mehr und kann sogar bei wilden Sexparties, für ganze Vertriebsteams, als Belohnung, enden. Ein Skandal, der noch heute einem namhaften Unternehmen der Versicherungsbranche anhaftet.

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es zu Bonuszahlung?

Leider werden Bonuszahlungen häufig gleichgesetzt mit der Steigerung von Motivation. Ich habe gerade das Buch von Henning Beck, Irren ist nützlich, gelesen. Ich kann es an dieser Stelle nur sehr empfehlen. Als Neurowissenschaftler widmet er dem Thema Motivation ein ganzes Kapitel. Die wichtigste Erkenntnis ist, Menschen haben eine sehr hohe Eigenmotivation. Wir setzen uns Ziele, wir wollen zeigen was wir können und wir wollen dafür Anerkennung.

So kommen wir auf die Welt und das ist Bestandteil unserer Natur.

Wir müssen uns also gar nicht so sehr um die Motivation kümmern und versuchen sie zu steigern, sondern vielmehr die Motivationskiller ausmerzen. Davon gibt es in Unternehmen leider sehr viele. Sei es einzelnen Manager, die schlecht bewertet werden oder eine fehlende Strategie, ohne erkennbaren Sinn und Zweck. Eine weitere ist die Individualförderung, also die Belohnung von einzelnen Personen oder einzelnen Abteilungen.

Denn was passiert, wenn in einer Gruppe von 10 Personen nur einer belohnt wird? Es werden automatisch 9 andere nicht belohnt und die Chance auf Demotivation ist in dieser Gruppe sehr hoch.

Nun gibt es sicherlich viele Persönlichkeiten, die sich durch solche Bewertungs- und Belohnungssysteme angesprochen fühlen. Für die Bonuszahlungen gar nicht hoch genug sein können und die alles dafür tun um Ihrer Ziele zu erreichen. Nur sind es tatsächlich diejenigen, die Sie beim Erreichen Ihrer Ziele, der Verwirklichung des Zwecks Ihres Unternehmens, am besten unterstützen?

In einer Welt die immer dynamischer wird und wo Geschwindigkeit und Komplexität von Veränderungen enorm zugenommen haben, wird Teamarbeit immer wichtiger. Nur die Unternehmen, die es schaffen sich allumfänglich auf Ihren wichtigsten Akteur – sollte bei den meisten Unternehmen der Kunde sein – auszurichten, werden in Zukunft erfolgreich sein.

Aber was interessiert den Kunden genau? Welche Herausforderungen hat er und wie können Sie ihm helfen? Das sind Fragen, die am besten interdisziplinär, also über Abteilungs- und Bereichsgrenzen, in Gruppen, gelöst werden sollten. Kein Wunder, dass viele Unternehmen immer mehr auf Projektteams setzen. Die sich zu verschiedenen Themen immer wieder neu zusammensetzen und passende Lösungen erarbeiten. Die wichtigste Eigenschaft die man dafür benötigt ist Kreativität. Es sind die neuen Ideen, die den Unterschied machen. Nur lassen sich diese nicht erzwingen, erst recht nicht durch Bonuszahlungen.

Was sollte sich für Bonuszahlungen ändern?

Als Unternehmenslenker sollten Sie zunächst fair bezahlen. Und was das bedeutet, bestimmen Sie, in Ihrem Umfeld. Und selbstverständlich dürfen Sie auch mit einem Bonus Ihre Mitarbeiter motivieren. Aber zahlen Sie ihn für eine Teamleistung. Stellen Sie einen Bezug her zu Sinn und Zweck Ihres Unternehmens.

Und überraschen Sie Ihre Mitarbeiter. Belohnen Sie sie, wenn sie nicht damit rechnen. Nehmen Sie die Regelmäßigkeit raus aus dem Belohnungssystem, dann funktioniert sie am besten.

Es muss auch nicht immer eine zusätzliche Zahlung sein. Wie wäre es mal mit einem Tablett-PC oder einem Reisegutschein?

Viele Unternehmen haben bereits umgestellt. Bonuszahlungen für Individualleistungen gibt es bei ihnen nicht mehr. Und die Erfahrungen die damit gemacht wurden sind sehr gut. Diese Unternehmen haben eine deutlich bessere Teamkultur und eine einheitliche Ausrichtung auf Ihre Kunden.